China
heute Volksrepublik China, 9561000 km²,1184 Millionen Einwohner (1993), mit der Hauptstadt Beijing (Peking).
Vom Innenhochland Tibet bricht die Landschaft in mehreren steilen Bruchstücken zum Pazifik hin ab. Im Osten gibt es Mittelgebirge mit mehreren Tiefländern und den großen Strömen Huanghe (Gelber Fluß, Huangho), Yangzi oder Yangzijiang (Langer Fluß, Yang-tse Kiang) und Xijiang (Sikiang). Im Süden ausgedehnte Schwemmlandschaften mit subtropischem Klima. Im Nordwesten und im Norden teilweise Hochlandgebirge mit steppen- und wüstenähnlichem Charakter. Im Westen befindet sich Tibet, das höchstgelegene Hochland, mit geringer Bevölkerungsdichte.
SPRACHE UND SCHRIFT
Um sich in den chinesischen Kampfkünsten
zurechtzufinden, ist es von Bedeutung, etwas über die
chinesische Schrift und Sprache zu erfahren. Wie in den
japanischen Systemen werden auch in den chinesischen
Kampfkünsten die chinesischen Begriffe für die Bezeichnungen
derTechniken gebraucht. Ihr wirkliches Verständnis ist für
jeden Nichtchinesen mit einigen Schwierigkeiten verbunden. Die
chinesische Schrift besteht aus 60000 Zeichen, von denen nur etwa
5000 bis 10000 im täglichen Gebrauch verwendet werden. Außerdem
gibt es in China eine große Anzahl von verschiedenen Dialekten,
so daß selbst die Chinesen Verständigungsschwierigkeiten
untereinander haben.
Für uns, die wir die chinesische Sprache in den Kampfkünsten
gebrauchen, stellt sich noch ein weiteres Problem: die Umschrift
der chinesischen Zeichen in die lateinische Sprache. Seit langem
beschäftigen sich die Sprachwissenschaftler mit diesem Problem,
und heute existieren mehrere Systeme der Umschrift. Die
Pinyin-Umschrift scheint sich in letzter Zeit durchzusetzen. Doch
ist zu beachten, aus welchem der vielen chinesischen Dialekte
umgeschrieben wird. Allein vom Kanton-Dialekt existieren 5-8
Umschriften, von denen sich noch keine endgültig durchgesetzt
hat. Auch die Chinesen in anderen Ländern (Indonesien, Hong Kong
usw.) benutzen eigene Umschriften, die Volksrepublik China hat
ebenfalls ihre eigene Umschrift (Pinyin). Dies alles betrachtend,
steht man in der Übertragung der Kung-fu-Begriffe vor
unlösbaren Problemen.
Die chinesischen Kampfkünste sind nicht an einem Ort entstanden, sondern gebunden an verschiedene Orte Chinas, an denen auch verschiedene Dialekte gebraucht werden. Aus diesem Grund kann man diesbezüglich unmoglich eine Umschrift und einen Dialekt verwenden. Die Übersetzung der Begriffe in einen Dialekt würde der ortsgebundenen Kampfkunst vollkommen fremde Bezeichnungen aufzwingen und ein großes Durcheinander produzieren, So ist, bezogen auf die Kampfkünste, das sprachliche Chaos das beste Verständigungssystem. Viele Begriffe haben sich weltweit geprägt, stammen jedoch aus verschiedenen Dialekten. Es ist unmoglich, diesbezüglich ein Einheitssystem zu schaffen, ohne Verwirrung anzurichten. Aus diesem Grund gebrauchen die Kampfkünste aus dem Süden Chinas natürlich die dort verwendeten Dialekte, während die nordlichen Kampfkünste auch nördliche Dialekte verwenden. So kommt es, daß es für ein und denselben Begriff sehr viele chinesische Bezeichnungen gibt, die von Nichtchinesen wiederum auf sehr verschiedene Weisen umgeschrieben (transkribiert) wurden. In diesem Lexikon werden die meisten Begriffe in Pinyin transkribiert und erläutert, stehen aber auch oft unter anderen Dialekten und Umschriften im Lexikon. In diesem Fall wird auf die Pinyin-Umschrift verwiesen.
CHINESISCHE GESCHICHTE
Legendäre Vorzeit
Aus dem chinesischen Altertum gibt es keine überlieferten Quellen, erst viel später wurde etwas über diese Zeit geschrieben. Vermutlich sind all diese Berichte nicht wahrheitsgetreu, sondern wurden aus dem späteren Verständnis der Weltordnung heraus verändert. Die Historiker sahen die alten Sagengestalten als Könige, Kaiser oder zumindest Beamte, ein Wirken ohne einen solchen Status konnte man sich nicht vorstellen. Man vermutet heute, daß im Stammland des heutigen China eine steinzeitliche Kultur herrschte, in der der Herrscher durch Wahl bestimmt wurde. Die später erwähnten Kaiser waren so entweder Herrscher über kleine Stämme oder Volksgruppen. Die chinesische Geschichte kennt die »Drei Erhabenen«, denen die »Fünf Kaiser« (Wu-di) folgten. Sie gelten bis heute als die Erfinder aller wesentlichen chinesischen Kulturmerkmale wie Landwirtschaft, Technik, einer großen Anzahl von praktischen Gegenständen sowie der Familiennamen und der Ehe.
Xia-Dynastie (2205-1766 v. Chr.)
Die Xia-Dynastie ist ebenfalls noch teilweise legendär, aus dieser Zeit gibt es keine schriftlichen Überlieferungen, und auch archäologisch ist sie nicht faßbar. Ihrem Gründer, Yu, schreibt man die Schaffung fruchtbaren Ackerlandes durch die Überflutung von Gewässern zu. In 417 Jahren folgten ihm 17 Könige, wobei die Chronologie nicht ganz gesichert ist. Das Zentrum der Dynastie lag im heutigen Shanxi. Nach dem Aufstieg der Shang existierte die Xia-Dynastie weiter und erhielt ein Lehen in Süd-Shanxi. Die Xia und die Shang lebten lange Zeit als Nachbarn, bis die Shang nach dem fruchtbaren Land der Xia strebten, Später haben die Historiker die Dynastien zeitlich getrennt, vermutlich weil sie sich ein uneinheitliches China schwer vorstellen konnten.
Shang-Dynastie (1766-1122 v. Chr.)
Sie ist die erste archäologisch nachgewiesene Dynastie und wird oft auch nach einer ihrer Hauptresidenzen Shang-Yin genannt. Sie war eine der frühen chinesischen Hochkulturen: Schrift, Pferdezucht, Streitwagen, Bronzeguß, Rinderzucht, geschützte Städte und ein hochentwickeites Herrschaftssystem gingen aus ihr hervor. Allerdings war sie nur in einem relativ kleinen Gebiet vertreten; das heutige China war noch ein Flikkenteppich verschiedener Kulturen und Völker. Der Mittelpunkt des Shang-Reiches lag in den Flußebenen des mittleren Huang-he (Gelber Fluß), eine feste Residenz gab es nicht. Zwei der alten chinesischen Klassiker gehen auf die Kultur der Shang zurück: das Shu-jing und das Shijing. 30 Herrscher aus 17 Generationen (dem verstorbenen König folgte jeweils der Bruder) lösten sich ab. Die Shang-Kultur hatte einen stark kriegerischen Charakter. Ständig wurden Raubzüge unternommen und Kriege geführt, vor allem um den Bedarf an Sklaven zu decken, die für Arbeiten und auch für die zahlreichen Menschenopfer benötigt wurden. Bronze wurde nur für Waffen und Ritualgegenstände benutzt, dem einfachen Volk war sie verboten. Schon damals trat eine starke Hierarchie in der Oberschicht hervor, die auch weiterhin China prägen sollte. Wesentlich in der Kultur der Shang war die Verehrung des Gottes Shang-di, der Ahnen sowie der Naturgottheiten. Diese Staatsreligion trug sehr mystische und orgiastische Züge mit zahlreichen Menschen- und Tieropfern. Die Schamanen nahmen einen besonderen Rang in der Gesellschaft ein. Sie waren die einzigen, die schreiben und lesen konnten, und stellten auch naturwissenschaftliche Forschungen an, aber ihre wichtigste Pflicht waren die Orakel. Man warf platte Knochen in heißes Öl oder Feuer, und die Magier lasen daraus die Zukunft ab. Noch heute sind viele dieser Knochen erhalten, auf denen die Ergebnisse der Befragungen eingeritzt sind.
Zhou-Dynastie (1122-221 v. Chr.)
Frühe westliche Zhou-Dynastie (1122-771 v. Chr):
DieZhou setzten den letzten Shang Kaiser wegen seiner großen
Verworfenheit ab, übernahmen aber die wesentlichen Merkmale der
Dynastie. Der Ursprung der Zhou lag im heutigen Shenxi. Gründer
der Dynastie war Wu (der Kriegerische). Sein Vater Wen war Vasall
der Shang, fiel aber in Ungnade und wurde in Haft genommen. Eine
Anzahl von Würdenträgern und Vasallen schlossen sich den Zhou
an und stürzten die Dynastie. In einem Krieg eroberte Wu das gesamte
Land und gründete seine Hauptstadt Hao in der Nähe des heutigen
Chang'an. 771 v. Chr ging das Stammland der Zhou an ein Nachbarvolk
verloren, und der regierende König Yu wurde getötet.
Spätere, östliche Zhou-Dynastie (771-221 Chr.):
Ping, Yu's Sohn, setzte die Zhou-Dynastie fort und verlegte die
Hauptstadt nach Luoyang. Aber er hatte die Macht über das verbliebene
Land verloren; seine Fürsten und Vasallen bekriegten sich
gegenseitig und nutzten seine Schwäche, um selbst an Macht und
Land zu gewinnen. Das Reich zerfiel in Einzelstaaten, in denen
der König keine Bedeutung mehr hatte. Die wichtigsten Staaten
waren die »Mittelstaaten« (chin. Zhong-guo, was heute die
Bedeutung von »China« hat), die untereinander die größten
Machtkämpfe austrugen. Da die Mittelstaaten ständig von außen
bedroht wurden, schlossen sie sich immer wieder in Bündnissen
zusammen, was sie aber nicht davon abhielt, sich auch gegeseitig
zu bekriegen. Der König hatte nur noch rituellen Status, wurde
aber nicht angetastet, Diese Zeit nennt man auch Chun-qiu
(»Frühling und Herbst« 722 bis 481 v. Chr.). In dieser
chaotischen Zeit lebte Konfuzius, der durch seine Philosophie und
sein Konzept der Erziehung einen Ausweg aus dem ständigen
Zerfall von Ordnung, Sitte und Moral suchte. Trotz dieser
politischen Auseinandersetzungen blühte der Handel, und Geldmünzen
wurden als Zahlungsmittel benutzt. Der Chun-qiu schloß sich
Chan-guo (die Zeit der »streitenden Reiche«, 481-221 v. Chr.)
an. Sie war geprägt von ständigen Kriegen, wechselnden, kurzen
Bündnissen und Eroberungen zwischen den Kleinstaaten. Jeder der
Einzelstaaten versuchte durch militärische Macht die
Vorherrschaft über die anderen zu gewinnen. Aber es war auch das
klassische Zeitalter der chinesischen Philosophie, in der die
wichtigsten Schulen entstanden: Mojia (Mohismus), Yin-Yang-jia
(Yin-Yang-Schule), Dao-jia (Daoismus), Ru-jia (Konfuzianismus),
die Legalisten und Logiker. Durch die trostlosen Entwicklungen
der Zeit suchten immer mehr Intellektuelle nach Möglichkeiten,
die aus den Fugen geratene Welt wieder neu zu ordnen oder ihr
wenigstens zu entfliehen. In dieser Epoche entstand auch der
berühmte Klassiker der Kriegskunst, verfaßt von Sunzi, dem
großten Theoretiker der asiatischen Kriegskunst, der bis heute
studiert wird. Er bezog sein Buch zwar auf die Taktik des
Kriegführens, es ist aber genauso auf den Kampf Mann gegen Mann
zu beziehen und war so lange Zeit Pflichtlektüre in den
Kampfkünsten. Zum Schluß gewann der Staat Qin die Oberhand. Er
führte viele Kriege und ging dabei äußerst grausam vor.
Charakteristisch waren Massaker unter der BevOlkerung oder die
Hinrichtung ganzer Armeen, nachdem sie sich ergeben hatten -
Abschreckung war die Basis des Rechtsverständnisses der Qin.
Schon 249 v. Chr. wurde der letzte König abgesetzt, und die Qin
übernahmen die Macht.
Qin-Dynastie (221-206 v. Chr.)
Unter König Zheng von Qin wurden alle Staaten erobert und vereint und das chinesische Kaiserreich gegründet. Zheng nannte sich danach ShiHuang-di, »Erster Kaiser«. Er prägte die späteren Merkmale des chinesischen Kaisertums und führte vielfältige verwaltungstechnische Änderungen ein. Unter seiner Herrschaft kam es zu einem Geschehen, welches unter den Konfuzianern als eines der schlimmsten Verbrechen in der Geschichte Chinas angesehen wird: die Hinrichtung Hunderter von Konfuzianern und die Verbrennung von hauptsächlich konfuzianischen philosophischen und historischen Büchern. Durch den Bau der »Großen Mauer« und verschiedener anderer Großprojekte wurde die Arbeitskraft der Bevölkerung ausgebeutet. Unter der diktatorischen Herrschaft des Shi-Huangdi wurden die Maße, Gewichte und Münzen, die Gesetze, die Schrift, die Wagenspurbreite, der Kalender und die Kleidung vereinheitlicht. Die reichsten und mächtigsten Familien des Landes wurden gezwungen, sich in der Hauptstadt anzusiedeln, um dort besser kontrolliert werden zu konnen. Während der Qin-Dynastie gab es viele umherziehende Ritter und Berufssoldaten und damit auch Kampfkunstexperten. Trotzdem wurden die Kampfkünste damals nicht gefördert. Obwohl Shi-Huangdi ein Reich für 1000 Generationen errichten wollte, begann der Zerfall schon nach seinem Tod. Sein ältester Sohn, eine energische Persönlichkeit mit großen Fähigkeiten in der Heerführung, wurde durch Intrigen zum Selbstmord gezwungen. Sein zweiter Sohn und Nachfolger hatte keine besonderen Qualitäten, und kaum hatte er seine Regierung angetreten, begannen die ersten Aufstände. Überall entfachten selbsternannte Könige Bürgerkriege, die das ganze Land in Aufruhr versetzten, und schon 206 v. Chr. endete die Qin-Dynastie.
Han-Dynastie (206 v. Chr.-220 n. Chr.)
Westliche Han-Dynastie (206 v. Chr.-24 n. Chr.):
Zwei Führer der Aufständischen traten besonders hervor,
konzentrierten alle Macht auf sich und kämpften gegeneinander um
die Herrschaft: Xiang Yu und Liu Bang. Xiang war ein Adeliger,
ein guter Heerführer, aber politisch und organisatorisch
ungeschickt. Liu Bang war nur ein einfacher Dorfpolizist, aber
äußerst intelligent und selbstbewußt. Er sammelte viele
Menschen mit besonderen Begabungen um sich und schuf sich so
einen Stab von qualifizierten Ratgebern. Zuerst teilten Xiang und
Liu die Länder unter sich auf, doch schon bald kam es erneut zum
Krieg, in dem Xiang ums Leben kam. Liu wurde Kaiser der Han und
war damit der erste Kaiser aus dem einfachen Volk. Er umgab sich
weiterhin mit den fähigsten Staatsmännern, doch er hatte eine
Abneigung gegen die obere Bildungsschicht. So wurde auch das alte
Bücherverbot nicht wieder aufgehoben (erst unter seinem
Nachfolger). Im Laufe seiner Regierung schaffte er alles ab, was
die alte Qin-Regierung unbeliebt gemacht hatte. Die Herrschaft
wurde mit den Regeln des Konfuzianismus untermauert. Die
Seidenstraße wurde gebaut, die China über Afghanistan, Persien
und Kleinasien mit Europa verband. Nach dem Tod Lius und seines
Sohnes war seine Witwe eine der wenigen Frauen, die als
Kaiserinnen in China herrschten. Durch Kaiserin Wang wurde die
Han-Dynastie unterbrochen. Unter ihrer Herrschaft gelangte ihr
Neffe Wang Mang an die Macht und gründet 9 n. Chr. die
Xin-Dynastie, gegen die es von Anfang an Volksaufstände gab.
Doch erst schlimme Naturkatastrophen und deren Folgen gaben den
Anstoß zu massiver Gegenwehr. Die Aufständischen (»Rote
Augenbrauen« genannt, da sie sich die Augenbrauen rot färbten)
und die Opposition der Familie Liu schlossen eine Allianz und
stürzten im Jahre 23 den Xin-Herrscher Wang Mang.
Östliche Han-Dynastie (25-220):
Nach einigen internen Machtkämpfen wurde erneut ein Mitglied der
Liu-Familie als Kaiser eingesetzt und somit die Han-Dynastie
fortgesetzt. Literatur und Philosophie blühten wieder auf, und
der Buddhismus verbreitete sich in China. Die Wissenschaft machte
bedeutende Fortschritte, Medizin und Astrologie erlebten einen
großen Aufschwung, und im Jahr 105 wurde das Papier erfunden.
Doch ab 88 bestiegen immer wieder Kinder den Thron, was zu einer
zunehmenden Demoralisierung der Beamten und zur Verelendung der
Bevölkerung führte. Die »Sekte der Gelben Turbane« erhob sich
wiederholt zu Aufständen, und die politische Zersetzung führte
zu einer Splitterung des Reiches. Die Han-Dynastie beeinflußte
das Selbstverständnis der Chinesen nachhaltig. Bis heute werden
sie noch manchmal »Kinder der Han« genannt. Die Kampfkünste
waren sehr beliebt, vor allem die mit der bloßen Hand, wie
Shou-bo und Ji-qiao. Etwa 100 n. Chr, wurde die Kampfkunst
Chang-shou (auch Chang-quan, »Lange Faust«) entwickelt, die die
Shaolin-Stile stark beeinflußte.
Die Drei Reiche (220-280)
Nachdem die Zentralgewalt gefallen war, kämpften drei Staaten um die Vorherrschaft: Wie im Norden, Shu im Westen und Wu im Südosten, Die Wirtschaft nahm jedoch ungeachtet dieser Kämpfe einen starken Aufschwung. Auch das Geistesleben entfaltete sich, besonders die Literatur, die Philosophie und die metaphysisch-naturalistische Richtung. Die Heldentaten dieser Zeit wurden später in Romanen, Novellen, Dramen, Gedichten und Bildern verewigt. Einer der berühmtesten Helden war Guan Yin, der in der Ming-Dynastie sogar zum Kriegsgott erklärt wurde. Die Kriegs- und Kampfkünste sowie die Entwicklung neuer Waffen wurden sehr gefördert. Zu dieser Zeit wirkte auch Hua Tuo, ein daoistische Arzt, der die Wuqin-xi (Tierstile) entwickelte.
Jin-Dynastie (265-420) und die Südlichen und Nördlichen Dynastion (420-589)
Die Familie Sima aus Wie zerschlug die Drei Reiche und gründete die Jin-Dynastie. Doch schon 291 wurden innere Machtkämpfe zur Ursache schnellen Niedergangs, im Jahr 317 konnte sich dann wieder eine Östliche Jin-Dynastie im Süden etablieren. Nicht weniger als 16 kurzlebige Reiche folgten der Jin-Dynstie: Liu-Song-Dynastie (420-479), Qi-Dynastie (479-501), Liang-Dynastie (502-555) und die Chen-Dynastie (557 bis 589). 389 eroberte das Volk der Toba (Hirten und Krieger) große Teile Nordchinas und gründete die nördliche Wei-Dynastie (389-535). Die nördlichen, von den Barbaren unterworfenen Chinesen suchten ihr Heil im Buddhismus, der entgegen der konfuzianischen Lehre Halt und Trost durch die Gunst der Götter versprach. Auch die vertriebenen, nun im Süden lebenden Chinesen wandten sich zunehmend vom Konfuzianismus ab und dem buddhistischen Götterglauben zu. Die südlichen Herrscher tolerierten diese Tendenz und benutzten den Buddhismus als Mittel, die Massen zu besänftigen. Der Buddhismus nahm dadurch einen starken Einfluß auf die chinesischen Künste. Durch die Konflikte zwischen den ortsansässigen chinesischen Adeligen und den Toba zerfiel das Wei-Reich bald in zwei Teile. So blieb China bis 589 weiter in mehrere Teile zersplittert. Die Zeit war geprägt von Aufständen der Chinesen gegen ihre Besatzer. Doch allmählich kam es zu einer Assimilierung der »Barbaren«. Während der Liang-Dynastie reiste Bodhidharma von Indien nach China und ließ sich dort im Shaolin-Kloster nieder, das später zum Zentrum der chinesischen Kampfkünste werden sollte. Bodhidharma gründete das Chan (jap. Zen), das einen großen Einfluß auf die asiatische Kultur bekam. Chan machte die Kampfkünste zu einem Weg der geistigen Vervollkommnung. Bodhidharma werden verschiedene Übungen von Körper (» Yi-jin-jing« - »Abhandlung über die Stärkung von Muskeln und Sehnen«) und Geist ( »Xi-sui-,iing« - »Abhandlung über die Waschung des Knochenmarks«) zugeschrieben. Er gilt auch als der Urheber der Shi-ba-luo-han-shou (»48 Hände der BuddhaSchüler«), eines Basissystems von Kampftechniken der offenen Hand.
Sui-Dynastie (589-618)
General Yang Jian stammte vom Hof der nördlichen Zhou, die aus dem Toba-Reich hervorgingen, und gehörte zu einer mächtigen Adelsklasse. Er setzte den Kindkaiser und seine Regenten ab und erklärte sich unter dem Namen Wen selbst zum Kaiser. Danach nahm er die schwierige Aufgabe in Angriff, die chinesischen Länder wieder zu vereinigen, was ihm 589 gelang. Unter ihm kam es zu verschiedenen Reformen: von politischen Gegnern konfisziertes Land wurde unter die Armen verteilt, Kornspeicher sicherten die Ernährung auch in Notzeiten, ein Kanalnetz wurde angelegt, die Große Mauer erweitert und neben Chang'an wurden die Hauptstädte Luoyang und Yangzhou ausgebaut. Yang Jian entwickelte eine ungeheure Bautätigkeit und befestigte die Grenzen des Landes. Diese Politik wurde von seinem Sohn Yang fortgesetzt, der auch den »Kaiserkanal« bauen ließ. Die Synthese der südlichen und nördlichen Kultur führte zu neuen geistigen Impulsen. Der Buddhismus verbreitete sich immer stärker, und die Wirtschaft blühte auf. Doch wegen der schweren Fronarbeit bei der Errichtung der Bauten des Kaisers, wegen radikaler Reformen und auf Grund von Naturkatastrophen kam es bereits 610 zu erneuten Aufständen, die schließlich zu einem Bürgerkrieg eskalierten, in dessen Verlauf Yang 618 getötet wurde.
Tang-Dynastie (618 -907)
Die Tang-Dynastie wurde von Li Yuan unter dem Kaisernamen Gaozu gegründet, der vorher Militärbefehlshaber in der Sui-Dynastie war. Er stellte mit Hilfe unzufriedener Grundherren ein Heer zusammen, eroberte die Hauptstadt Chang'an und bestieg nach dem Tod des letzten Sui-Kaisers selbst den Thron. Schon 626 übergab Gaozu die Regierung unter mysteriösen Umständen an seinen Sohn Li Shi-min (Kaisername Taizong); vermutlich handelte es sich um einen Staatsstreich. Das Tang-Reich übertraf alle vorherigen chinesischen Reiche. Es erstreckte sich von Nordkorea und Nordvietnam im Osten bis zum Balchasch und Aralsee im Westen und war weit mächtiger als das Reich Karls des Großen oder das islamische Reich der Omaijaden. Seine Hauptstadt Chang'an (2 Millionen Einwohner!) war mindestens gleichbedeutend mit dem damaligen Byzanz oder Bagdad. Taizongs Sohn Gaozong vernachlässigte später die Regierung und galt überall als Schwächling. Seine Konkubine Wu Ze-han, die 655 seine Gemahlin wurde, gewann große Macht über ihn und prägte seine Regierung. Nach seinem Tod (683) regierte sie für ihren minderjährigen Sohn, und 690 erhob sie sich selbst zur Kaiserin. Sie gründete die neue Dynastie der Zhou, die allerdings nur bis zu ihrem Tod (705) Bestand hatte. Wie allen chinesischen Kaiserinnen wurde ihr ein schlechter Charakter nachgesagt, doch die chinesische Kunst blühte unter ihrer Regierung auf. Nach ihrem Tod wurde die Tang-Dynastie wieder restauriert und erlebte einen neuen Aufschwung. 755 rebellierten die Generäle An Lu-shan und Shi Si-ming, und die Regierung mußte türkische, tibetische und uigurische Truppen um Hilfe bitten. Die Rebellen wurden zwar besiegt, doch Raubzüge und Überfälle wurden zu einer ständigen Plage. Am Hofe intrigierten unterdessen verschiedene Parteien von Adeligen und Eunuchen gegeneinander, und es kam auch zu Auseinandersetzungen mit dem Beamtenapparat. 879 verbreiteten sich erneut Unruhen und Rebellionen, und kurzfristig machte sich ein Salzhändler (Huang Chao) zum Kaiser. Inzwischen war die Tang-Dynastie instabil, und der letzte Kaiser Ai übergab die Kaisermacht an einen ehemaligen Anhänger Huang Chaos, Zhu Quan-zhong, der die Liang-Dynastie gründete. Während der Tang-Dynastie wurden die Kampfkünste sehr populär und erreichten ein hohes technisches Niveau. Mönche des Shaolin-Klosters halfen in der kaiserlichen Kriegführung mit und trugen wesentlich zu einigen Siegen bei. Der Name »Shaolin« wurde in ganz China bekannt. Im Shaolin-Kloster wurden Systeme wie das Shangtia-xia-gou-quan (Kunst des hohen Blocks und der tiefen Kombination) sowie erste weiche Systeme wie Mian-quan (Watte-Faust) und Rouquan (weiche Faust) gegründet.
Die Fünf Dynastien (907-960)
Im nördlichen China wechselten sich nach dem Zerfall der Tang-Dynastie fünf weitere Dynastien (Wu-wai) ab, doch keine hatte lange Bestand: späte Liang-Dynastie (907-923), späte Tang-Dynastie (923-937), späte Jin-Dynastie (937-946), späte Han-Dynastie (947-950) und späte ZhouDynastie (951-960). Sie gaben dieser Epoche zwar den Namen, doch im Süden Chinas existierten (zum Teil schon vor dem Ende der TangDynastie) die Zehn »illegitimen« Staaten (Si-guo), die von großerer wirtschaftlicher und kultureller Bedeutung waren. Im Norden entstand das Reich der Qidan (Kitan, spätere Liao-Dynastie), das immer stärker wurde und so eine Gefahr für die anderen chinesischen Länder darstellte.
Song-Dynastie (960-1279)
Nördliche Song-Dynastie (960-1127):
Generall Zhao Kuang-yin (Kaisername Taizu) vereinigte einen Teil
des alten Tang-Reiches und gründete die Song-Dynastie. Doch das
Land wurde ständig von den angrenzenden Qidan bedrängt und
mußte sogar Tribut zahlen. Kaiser Taizu versuchte durch
Zentralisierung von Militärwesen, Verwaltung und Finanzen den
Staat zu stabilisieren. Die Song verbündeten sich mit den Jin
(Dschurdschen, die 1115 in der Mandschurei das Jin-Reich
gegründet hatten) gegen die Liao und übten gemeinsam Druck auf
die Qidan aus. Nachdem die Qidan besiegt waren, wandten die Jin
sich gegen die Song, eroberten Beijing und nahmen zum Schluß den
Kaiser mit 3000 seiner Angehörigen gefangen.
Südliche Song-Dynastie (1127-1279):
Der Bruder des gefangenen Song-Kaisers floh nach Süden und
errichtete, erst in Nanjing und dann in Hangzhou, die neue
Song-Regierung. Doch nach wie vor wurden die Song ständig von
anderen Mächten, vor allem den Mongolen, bedroht, die 46 Jahre
lang ununterbrochen in China einfielen. 1279 eroberte der
mongolische Führer Kublai Khan das gesamte Song-Reich. Der
bekannteste Kampfkunstexperte dieser Zeit war Yue Fel, ein
berühmter General. Er gründete die Ba-duan-iin und das
Yue-iia-quan.
Yuan-Dynastie (1279-1368)
Schon seit 1206 wurden die nördlichen chinesischen Staaten von den Mongolenhorden Dschingis Khans bedroht. Das Song-Reich im Süden blieb jedoch immer verschont. Dschingis Khans Sohn Ögödei setzte die Eroberung Chinas fort, und sein Nachfolger Möngke starb im bereits eroberten Sichuan. Statt jedoch diese Zeiten zu nutzen, um sich zu schützen und zu stärken, verhinderte die innere Uneinigkeit der Song-Regierung jede sinnvolle Maßnahme, obwohl die Militärbefehlshaber dringend vor der mongolischen Gefahr warnten. 1276 eroberte Kublai Khan dann die Song-Hauptstadt Hangzhou und nahm den minderjährigen Kaiser fest. Obwohl andere Angehörige des Song-Kaisers fliehen konnten und weiter Widerstand leisteten, konnte die Song-Dynastie nicht mehr weiterbestehen. Kublai, der vermutlich nicht einmal Chinesisch verstand, verlegte seine Hauptstadt von Karakorum nach Beijing. Trotz brutaler Unterdrükkung des chinesischen Volkes wurde das Reich stabil. Kublai wollte seinen Machtbereich weiter ausdehnen und schickte auch Truppen nach Japan (1274,1281), Burrna (1277,1284,1287) und Java (1281, 1291), die aber wenig erfolgreich waren. Die Gesellschaft bekam eine neue Ordnung in vier Klassen:
Klasse: bestand nur aus Angehörigen des mongolischen Volkes.
Klasse: Die »Semuren« waren Angehörige zentral- oder vorderasiatischer Völker, die ebenfalls zur herrschenden Schicht gehörten, wie Araber, Tibeter, Uiguren und Türken.
Klasse: Die Klasse der »Chinesen« umfaßte nur die Nordchinesen und andere mit den Mongolen verwandte Völker wie die Qidan (Kitan), Dschurdschen oder Koreaner.
Klasse: Die »Südbarbaren« (Manzi), die Mehrheit der Chinesen aus dem südlichen Song-Reich.
Die ersten beiden Klassen hatten alleinigen Zugang zu den hoheren Ämtern und zur Mithilfe bei der Regierung. Sie waren von Steuern befreit. Die 3. und 4. Klasse trugen die gesamte Steuerlast, waren politisch machtlos und hatten kein Recht auf höhere Ämter. Die früheren Standesunterschiede zwischen ihnen wurden nicht berücksichtigt. Die Chinesen erlebten in dieser Zeit eine lange Epoche schlimmsten Verfalls der chinesischen Kultur. Dieses Reich lernte Marco Polo kennen, der mit seinen Berichten ganz Europa in Staunen versetzte. Straßen, Städte, Postsystem, der Kaiserkanal und die Handelsbeziehungen wurden ausgebaut. Doch nach Kublais Tod schwand die Kaisermacht, und in 26 Jahren bestiegen 8 Kaiser den Thron. Vermutlich ließ sich die mongolische Mentalität nicht mit der Regierung eines so großen, widerspenstigen und komplizierten Landes vereinbaren. Während der Yuan-Dynastie lebte nach einigen Quellen der daoistische Eremit Zhang San-feng, der in den Legenden als der Begründer der weichen Kampfkünste und des Tai-ji-quan genannt wird.
Ming-Dynastie (1368-1644)
Toghan Temür (chin. Shundi) war der letzte Kaiser der Yuan-Dynastie. In mongolischer Tradition regierte er mit Gewalt und Schrecken und preßte das chinesische Volk aus. Den Ansprüchen eines Agrar- und Handelslandes wurde seine Regierung nicht gerecht. Bald erhoben sich wieder Rebellen und lösten einen Bürgerkrieg aus, in dessen Verlauf Zhu Yuan-Zhang Kaiser wurde und Temür in das mongolische Stammland zurückkehrte. Die neue Dynastie hieß Ming, was »hell, strahlend« bedeutet. Zhu schuf ein stark zentralisiertes und autokratisches System. Die »Geheimpolizei« hatte die Macht, und Hinrichtungen unliebsamer und auffälliger Personen waren an der Tagesordnung. Der Handel erblühte und gewann neue Dimensionen: Mit China konnten nur noch jene Länder Handel treiben, die Tribut an die Regierung leisteten. Östlich von China zahlten Korea, Okinawa und Japan und südlich weitere 51 Länder. Dann kamen 1516 die Portugiesen, 1557 die Spanier, 1606 die Holländer und 1637 die Engländer nach China. Die Naturwissenschaften entwickelten sich rasch, Kultur und Technik erlebten neue Höhepunkte. Im Laufe der Zeit zerfiel auch hier die Macht das Kaisers. Doch trotz Intrigen der Eunuchen am Hof und ständiger Überfälle von Mongolen und japanischen Piraten blieb das Reich stabil. Ab 1628 vermehrten sich die Aufstände, und eine Hungersnot löste die offene Rebellion aus. Mehrere Rebellenführer streiften durch das Land. Einer von ihnen, Li, besetzte 1644 Beijing, wozu ihm der Verrat einiger Eunuchen verhalf. Die Ming-Regierung beging den Fehler, die Mandschus in dieser Situation um Hilfe zu bitten. Ihnen gelang es, sowohl den Rebellenführer als auch die Ming-Regierung zu besiegen und so ganz China in Besitz zu nehmen. Während dieser Zeit wurde das Mei-hua-quan (Kampfkunst der Pflaumenblüte) entwickelt. Die Pflaumenblüte ist das Symbol Chinas und der Shaolin-Kampfkünste. Im Shaolin entwickelte man die Tierstile (Wu-qinquan). Zur gleichen Zeit wurde das Shaofin-Quanfa auch nach Okinawa gebracht, woraus sich später das Karate entwickelte. Die Kampfkünste Kuai-fiao (schnell zu Fall bringen) und Di-gongquan (Bodentechniken) wurden stark verbessert.
Oing-Dynastie (1644-1911)
Unter den Mandschus wurde das Reich noch stärker zentralisiert und ein Staatsrat eingerichtet. Überheblich und isoliert, lehnten die Qing-Kaiser jeden Kontakt mit anderen Ländern ab, was den europäischen Mächten den Zugang zu China sehr erschwerte, Die Chinesen mußten von den Mandschuherrschern den rasierten Vorderkopf und den langen Zopf übernehmen und wurden auch in anderen Bereichen unterdrückt. Doch das Verwaltungssystem stammte noch aus der Ming-Dynastie und machte daher die chinesischen Beamten unentbehrlich. Die wichtigsten Ämter wurden mit je einem Mandschu und einem Chinesen besetzt. Allerdings wurde den Mandschus bei den Beamtenprüfungen weniger abverlangt, was zu einer Unzufriedenheit in der Inteilektuellenschicht führte. China wurde immer weiter in Konflikte verwickelt. Die Sekte des »Weißen Lotus« rebellierte, und die Niederlage im ersten Opiumkrieg gegen England (1839-1842) führte zu den »ungleichen« Handelsverträgen mit England, Frankreich und den USA. Die ständige Intensivierung des europäischen Handels und der christlichen Missionierung einerseits sowie die laxe Haltung und militärische Schwäche Chinas andererseits führten zu neuen Konflikten. Gleichzeitig erlebte China mit dem Aufstand der Taiping (1851-1864) einen verheerenden Bürgerkrieg, der Millionen Menschen das Leben kostete, ganze Provinzen verwüßtete und die Brüchigkeit der Qing-Dynastie offenbar machte. Nur mit letzter Anstrengung konnten loyale Beamte und Militärs dieser Krise Herr werden, die die europäischen Mächte zu weiteren erfolgreichen Aggressionen reizte. Durch eine Bagatelle wurde der zweite Opiumkrieg ausgelöst (1856-1860), der China weitere Zugeständnisse kostete: Nach der Zerstörung und Plünderung des Sommerpalastes gestand der Kaiser die Öffnung weiterer Häfen, die Legalisierung des Opiumhandels und unter anderem eine hohe Summe an Schadensersatz zu. 1897/98 »erwarb« Deutschland Qingdao und Jiazhou, Portugal bekam Macao (1887), England pachtete Hongkong und Weihaiwei (1898) und Rußland das Gebiet um Port Arthur. Fast ganz China wurde in »Interessengebiete« der europäischen Mächte aufgeteilt. Zusätzlich trat auch noch Japan auf den Plan und besetzte 1871 die Ryukyu-Inseln (eine davon ist Okinawa) und Taiwan (Formosa), zog sich aber gegen eine hohe Entschädigungssumme wieder zurück. 1876 besetzte es die Ryukyu-Inseln erneut und eroberte 1894/95 im chinesisch-japanischen Krieg Korea und Taiwan. Nur das Eingreifen der europäischen Mächte konnte die Eroberung der Südmandschurei noch verhindern. Im Jahr 1885 verlor China das heutige Nordvietnam an Frankreich. Der 1900 eigentlich gegen die Mandschus gerichtete »Boxeraufstand« wurde von der Regierung gegen die europäischen Mächte gelenkt und löste einen Krieg aus, der China erneute Zugeständnisse kostete. Die Schuld an dieser verheerenden Entwicklung wurde später der Kaiserin Ci-Xi (1835 bis 1908) zugeschrieben. Zu Beginn der Qing-Dynastie wurde der Ming treue Shaolin-Tempel niedergebrannt. Doch einige Mönche konnten entkommen und in Südchina ein neues Kloster aufbauen. Der Name Shaolin wurde verboten und abgelegt. Man organisierte sich in Geheimbünden, trainierte nur nachts und nahm Schüler ausschließlich nach strengen Prüfungen auf. Auf diese Weise entstanden immer neue Stile. Gegen Ende der Dynastie wurden die Kampfkünste, genauso wie die chinesische Medizin und das Qigong, recht unbeliebt, da China sich nach europäischen Werten ausrichtete.
Das Ende der Oing-Dynastie, die Guomindang-Regierung und die Kommunistische Revolution
1911 zwangen chinesische Intellektuelle und Militärs den letzten Kaiser zur Abdankung und gründeten die Republik. Yuan Shi-kai wurde Präsident, machte sich später aber selbst zum Präsidenten und Kaiser auf Lebenszeit, was so viel Widerstand hervorrief, daß auch er abdanken mußte (1915). Tschiang Kai-shek konnte sich wegen seiner militärischen Erfolge als Führer der Guomindang (der von Sun Yat-sen gegründeten Revolutionspartei) durchsetzen. Unter seiner Regierung wurde die Guomindang immer mehr zur Staatspartei und Militärdiktatur. Zwischen 1937 und 1945 wütete erneut ein Krieg zwischen China und Japan, doch als die USA ihren Kriegsgegner Japan zur Kapitulation zwangen, wurde China frei. Die Regierung war innenpolitisch zerrüttet und demoralisiert. Aus einem Bürgerkrieg zwischen den Guomindang und den Kommunisten gingen die Kommunisten siegreich hervor und proklamierten arn 1. Januar 1949 die Volksrepublik China. Die Kampfkünste machten in dieser Zeit unterschiedlichste Entwicklungen durch, die eher negativ waren. Unter der kommunistischen Regierung waren sie zunächst verboten, wurden aber später als Kulturgut wieder erlaubt, sogar gefördert. Bis heute haben sich die Kampfkünste unter Kontrolle der Regierung zu eher akrobatischen Künsten entwickelt, die professionell vermarktet werden
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